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Am Freitag, den 13.7. konnte Direktorin Marion Grether in der Allerheiligenhofkirche in München stolz die Siegerurkunde im Wettbewerb „100 Heimatschätze“ aus den Händen von Heimatminister Albert Füracker und Kunstministerin Prof. Marion Kiechle in Empfang nehmen.

Gemeinsam mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen und dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege wurden seit Anfang 2018 vom bayerischen Heimat- und Kunstministerium die 100 interessantesten Heimatschätze im Freistaat gesucht. Mit dem Sattlerbrief, auch „Schweinfurter Fund“ genannt, einem philatelistischen Objekt aus dem Jahr 1850, hatte sich das Museum um die hohe Auszeichnung beworben.

Der Sattlerbrief – ein spannendes Objekt

Das Königreich Bayern gab am 1. November 1849 als erster deutscher Staat aufklebbare Briefmarken heraus. Der erste Markensatz enthielt Marken zu einem, drei und sechs Kreuzern. Die als „Schwarzer Einser“ bekannte Ein-Kreuzer-Marke galt für Ortssendungen, die blaue Drei-Kreuzer-Marke sollte Sendungen in bis zu zwölf Kilometer entfernte Orte freimachen, und die braune Sechs-Kreuzer-Marke deckte die Kosten für Sendungen in noch weiter entfernte Orte in Bayern ab. Diese einfache Regelung verhinderte, dass die drei verschiedenen Briefmarken zusammen auf einem Brief erscheinen konnten.

2002 tauchte in Schweinfurt ein Brief mit einem „Schwarzen Einser“ und zugleich einer blauen Drei-Kreuzer-Marke auf!  Die Erklärung hierfür ist einfach: Der Faltbrief wurde als Ortsbrief am 14. Juni 1850 in Kissingen aufgegeben, tarifgerecht mit der Ein-Kreuzer-Marke frankiert, und, weil der Empfänger bereits abgereist war, ging der Brief zurück an den Absender und wurde drei Tage später, mit einer Drei-Kreuzer-Marke nachfrankiert, erneut abgeschickt.

Noch interessanter wird der Fund jedoch durch die Adresse des Briefes! Adressat war ein gewisser „von Sattler sen.“, dessen Name auf das Engste mit der Einführung der Briefmarken in Bayern verknüpft ist. Der Schweinfurter Fabrikant Wilhelm Sattler (1784-1859) unterhielt Handelsbeziehungen in ganz Europa und war wie viele andere Unternehmer sehr an einem reibungslosen Nachrichten- und Warenaustausch interessiert. Er hatte sich bereits im Herbst 1847 als erster öffentlich für die Vereinheitlichung der Gebühren und die Einführung von Postwertzeichen nach englischem Vorbild ausgesprochen, wo schon im Mai 1840 mit dem One-Penny-Einheitsporto die Briefmarke eingeführt worden war. Sattler forderte eine solche Vereinfachung des Postwesens auch für Bayern und war als Landtagsabgeordneter durchaus einflussreich.

Wiederentdeckt wurde der Brief, als 2002 bei einem direkten Nachfahren Sattlers im Rahmen eines Umzuges ein alter Schreibtisch hochkant bewegt wurde. Dabei fiel der Brief aus einem Geheimfach. Der interessierte Besitzer zeigte ihn einem Philatelisten, der sofort das Be­sondere erkannte. Nach eingehender Expertenprüfung gelangte das Stück zur Auktion und wurde für die Museumsstiftung Post und Telekommunikation ersteigert.

Die Heimatschätze 2018

Der Schweinfurter Fund ist nur eins von 100 ausgezeichneten Objekten in den nichtstaatlichen Museen Bayerns. Alle Schätze findet man hier:

http://www.heimat.bayern/heimatschaetze/


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